23
Feb
2015
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Warum ich das Programm-Wahlrad auf M stelle

Die sicher häufigste Frage in der Fotobranche, zumindest unter Hobbyfotografen, ist sicher: „Mit welcher Programmeinstellung arbeitest du?“. Das ist jetzt gar nicht so einfach zu beantworten, da es sehr themenspezifisch ist und nicht verallgemeinert werden kann. In den meisten Fällen ziehe ich die manuelle Belichtung den Halbautomatiken A/AV bzw. T/TV vor, da mir dies absolut gleichbleibende Ergebnisse garantiert, egal wer wie vor meiner Kamera steht.

Nehmen wir z.B. ein Shooting mit einem Pärchen, er mit heller Hautfarbe, aber in einem schwarzen Anzug, und sie ist eine Schwarze in einem weißen Kleid. Jetzt könnt ihr euch wahrscheinlich schon vorstellen, was die automatische Kamerabelichtung machen wird. Da die Kamera durch diese extremen Kontraste total irritiert wird und darauf programmiert ist, alles in einem „schönen“ Einheitsbrei-Grau von 18% wiederzugeben, wird Belichtung sicher nicht so werden, wie man es sich als Fotograf vorstellt.

Entweder korrigiert die Kameraautomatik in den Plus-Bereich, dann ist zwar der schwarze Anzug des Mannes richtig belichtet, aber das Gesicht von ihm zu hell und das Kleid der Dame nur mehr weiß „ausgebrannt“. Oder die Kameraautomatik korrigiert in den Minus-Bereich, was bewirken würde, dass das weiße Kleid jetzt zwar O.K. ist, aber das Gesicht der Dame viel zu dunkel wird und auch der Anzug des Mannes im zeichnungslosen Tiefschwarz versinkt. Alles Ergebnisse, mit denen man nicht wirklich glücklich sein kann.

Dieses Problem gibt es bei manueller Belichtungseinstellung nicht, da ich Zeit, Blende, ISO fix einstelle und so beibehalte, vollkommen egal welche Hautfarbe wer hat bzw. was diese Personen für Kleidung tragen. Ob hell weiß oder dunkel schwarz, mit den einmal eingestellten Werten erhalte ich immer exakt dieselbe richtige Belichtung meiner Protagonisten, und das ist gut so und erspart einem als Fotograf jede Menge Ärger.
Der angenehme Nebeneffekt ist auch noch, dass ich mich in keinster Weise mehr um die Belichtungseinstellungen kümmern muss und mich voll und ganz auf mein Motiv und das Shooting konzentrieren kann – bessere Fotos vorprogrammiert! Sollte sich allerdings das Umgebungslicht wesentlich ändern, z.B. von hellem Sonnenschein auf „Weltuntergangsstimmung“ muss ich natürlich auch meine manuellen Einstellungen nachkorrigieren, da ja die gesamte Belichtung sonst natürlich zu hell oder zu dunkel werden würde, irgendwie bei logischem Denken nachvollziehbar.

Natürlich gibt es auch Situationen in denen auch ich ein halbautomatisches Programm A/AV bzw. T/TV dem M-Modus vorziehe – Hochzeiten wäre z.B. so etwas. Hier muss alles superschnell gehen und man hat im Normalfall nicht die Zeit, seine Kamera im M-Modus richtig einzustellen, zumindest meistens nicht. Auch stehen die Chancen auf eine Wiederholung eher schlecht, denn die Frage: „Bitte können wir das ganze nochmals machen“ kommt bei der ganzen Hochzeitsgesellschaft inkl. Brautpaar nicht wirklich gut an, außer man ist masochistisch veranlagt und arbeitet mit Hochdruck daran, seine Karriere einem frühen Ende zuzuführen.
Überhaupt lassen solche Aktionen den Fotografen in Speedy-Gonzales-Geschwindigkeit als Amateur und sehr unprofessionell erscheinen, und diesen Eindruck kriegt man, zumindest bei dieser Hochzeit garantiert nicht mehr weg! Das sich dies dann für weitere Folgegeschäfte eventuell negativ auswirken wird, brauche ich hier sicher nicht extra zu erwähnen.

Fazit: In den meisten Fällen ist das Programmrad auf M die richtige Wahl, zumindest für mich, denn dadurch habe ich die absolute Kontrolle über die Belichtung meiner Fotos und die lasse ich mir ungern nehmen, und schon gar nicht von einem „Blechtrottel“ namens Kamera, welcher ja in keinster Weise weiß, welchen Bildlook ich haben will.


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2 Responses

  1. Mir geht es ähnlich, die Programmautomatik nutze ich gar nicht mehr. Vielmehr kommt bei mir der Modus A oder S (Nikon) zum Einsatz. Dadurch, das ich häufig HDR oder Panorama aufnehme. ist die Blendenvorwahl für mich ideal. Alles weitere übernimmt die Kamera.
    Für meine Sportaufnahmen kommt dann der Modus S zum Einsatz. Meist verwende ich 1/800 Sec. damit der Fußball auch scharf zu sehen ist.

  2. Habe mal einen Fotografen getroffen, der mir scherzhaft erklärt habe, wieso er nur im P für Profi-Modus fotografiert…
    Denke diesbezüglich wie Helmut. Aus meiner Sicht führt in den allermeisten Situationen keine Ausrede an M vorbei. Schliesslich hat Fotograf ja eine Bildidee im Kopf, nicht die Kamera 🙂

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